KIT 10

Entdecke den Dunning-Kruger-Effekt

🧠 Dunning-Kruger trifft Leistungskultur
In den sozialen Medien liest man viele Beiträge über den Dunning-Kruger-Effekt – oft begleitet von spöttischen Kommentaren über inkompetente Führungskräfte, die sich maßlos überschätzen.

Oft ausgerechnet aus HR-Kreisen, ist das nicht zutiefst ironisch? Denn waren sie es nicht, die bestimmte Persönlichkeiten befördert haben? Die lauten Leute, die sich Gehör verschaffen? Solche, die scheinbar für alles Feuer und Flamme sind? Die Überperformer, die stets 120 Prozent geben? Die Mitreißenden, die andere antreiben – ungeachtet menschlicher Kosten? Beinahe systematisch übersehen wurden dabei die Leisen, die Tiefgründigen sowie Reflektierte mit gesundem Selbstzweifel und kritischem Denkvermögen.

Haben wir ein Führungsproblem oder ein fundamentales Systemproblem in der Unternehmenskultur?

Autor: Hans G. Stamm

Dunning-Kruger-Effekt?

Wurde nach den US-Psychologen David Dunning und Justin Kruger benannt. 🔍 1999 veröffentlichten sie eine Studie, in der sie zeigten:

Menschen mit geringen Fähigkeiten in einem Bereich neigen dazu, ihre Kompetenz systematisch zu überschätzen – gerade weil ihnen das Wissen fehlt, um ihre Inkompetenz zu erkennen.*

Warum ist das so?

Um einzuschätzen, wie gut man etwas kann, braucht man mindestens ein gewisses Maß an Kompetenz in genau diesem Bereich.

Wer diese Basis nicht hat, fehlt es an dem, was Dunning & Kruger „metakognitives Wissen" nennen – also das Wissen über die eigene Denk- und Leistungsfähigkeit.

* Neueste statistische Analysen aus dem Jahr 2026 deuten darauf hin, dass der Dunning-Kruger-Effekt in der dargestellten klassischen Form ein statistisches Artefakt ist und sich die Daten vielmehr so interpretieren lassen, dass hochkompetente Personen ihre Fähigkeiten tendenziell stärker unterschätzen als unerfahrene Personen sie überschätzen.

Kann alle betreffen

– also nicht nur allen anderen.

  • wenn wir in einem neuen Gebiet noch zu wenig Ahnung haben,
  • oder wenn wir glauben, ein Thema verstanden zu haben – aber die Tiefe unterschätzen.

Es sei denn, wir sind bestens trainiert in Metakognition.

Metakognition?

Eigenes Denken über das eigene Denken.

🧠 Metakognitive Menschen fragen sich:

  • Was kann ich wirklich – und was nicht?
  • Wo liegen meine Wissenslücken?
  • Wie sicher ist meine Einschätzung – oder irre ich mich gerade?
  • Wie überprüfe ich, ob ich recht habe?

➡️ Diese Denkweise schützt vor falscher Selbstsicherheit und
➡️ fördert lernorientierte Bescheidenheit.

Und was ist mit Selbstreflexion?

Selbstreflexion hilft dir zusätzlich dabei,

eigene Motive zu verstehen

mit Kritik besser umzugehen

blinde Flecken in der Selbstwahrnehmung zu erkennen

Aber: Ohne metakognitive Fähigkeiten kannst du zwar reflektieren – aber dabei im Irrtum verharren.

Zwischenfazit:

Metakognition

✅ Schützt vor Selbstüberschätzung

Selbstreflexion

✅ Macht menschlich, lernfähig und offen

💡 Beides zusammen ergibt echte Urteilsfähigkeit – und schützt vor dem Dunning-Kruger-Effekt.

Menschen, die sich selbst überschätzen, in der Chefetage?

Klar. Aber wie sind diese Leute da hingekommen?

HR-Posts beklagen jetzt, dass manche Führungskräfte sich maßlos überschätzen und keine Selbstreflexion zeigen.

Meine Frage:
Wer hat sie denn zu Führungskräften gemacht?

Wer wurde in den Unternehmen befördert?

Meistens diejenigen, die

„aus der Komfortzone gehen"

„120 Prozent geben"

„Extrameilen laufen"

"für etwas brennen"

Und was erwartet man von diesen Führungskräften?

Sie sollen ihre Mitarbeitenden dazu bringen,

„aus der Komfortzone zu gehen"

„120 Prozent zu geben"

„Extrameilen zu laufen"

"für etwas zu brennen"

Achtung!

Um beruflich "erfolgreich" zu sein und ...

  • aus der Komfortzone zu gehen
  • 120 Prozent zu geben
  • Extrameilen zu laufen und
  • für etwas zu brennen

... darfst du zwei entscheidende Qualitäten auf keinen Fall besitzen:

1

❌ Metakognition

→ Sonst würdest du erkennen, wie irrational und unhaltbar diese Ansprüche eigentlich sind.

2

❌ Reflexionsvermögen

→ Sonst würdest du hinterfragen, wofür du dich eigentlich aufopferst – und welchen persönlichen Preis du dafür zahlst.

Der größte Witz daran:

Gerade die stärksten Einpeitscher gelten heuten noch oft als:

Führungspersönlichkeiten mit einem gewisssen Drive.

Und jetzt wundert

man sich?

Wer sich zurückhält,

reflektiert

gilt entweder als „Weichei"

oder auf sich achtet,

als „nicht leistungsbereit".

Klug wäre:

nicht über Symptome zu posten, sondern Systeme zu hinterfragen.

Was denkst du?

Diskussion erwünscht.


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